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doch kommt morgen Algernon? Emilie, du haſt nicht mehr Gefühl als eine Pappſchachtel.“
Emilie. Wie kannſt du wiſſen, ob dieß nicht aus Sympathie mit Algeruon geſchieht, der vielleicht gerade in dieſem Augenblick daſſelbe thut.
Julie. Ich bin feſt überzeugt, daß er dieß nicht thut. Eher glaube ich, daß er kaum weiß, auf welchen Fuß er ſtehen ſoll, vor lauter ungeduldiger Freude, dich ſo bald zu ſehen.
Emilie. Schließeſt du das aus ſeinem letzten Briefe2
Julie. Der war ja ſo in der Haſt geſchrieben. Man iſt nicht immer gleich gut zum Schreiben geſtimmtz vielleicht hat er ſtarkes Kopfweh. oder einen ſtarken Schnupfen. oder hat er ſich eine Erkältung.
Emilie. Alles, was du willſt, aber Nichts kann den kalten, bedeutungsloſen Schluß ſeines Schreibens entſchuldigen.
Julie. Ich verſichere dich, Emilie, es heißt: „Mit der zärtlichſten Ergebenheit.“
Emilie. Und ich weiß gewiß, es ſteht darin ganz trocken und kalt:„Verharre mit Achtung und Ergeben⸗ heit u. ſ. w.“ Gerade, wie man an eine gleichgültige Perſon ſchreibt:„Mit Achtung zeichnet u. ſ. w.“ Die arme Achtung muß immer herhalten, wo es an andern wärmeren Gefühlen fehlt. Wo iſt meine Nachthaube?— Ach, ſieh da! Du, Julie, ſiehſt Alles roſenfarbig.
Julie. Ich ſehe, daß ein Liebhaber ſich in Acht nehmen muß, daß er nicht von Achtung ſpricht. aber ich bin überzeugt, daß Algernon das ſchreckliche Wort nicht geſchrieben, ſondern ſich eines wärmeren, innigeren bedient hat. Hole einmal den Brief, liebe Emilie; dann wirſt du ſehen, wie Unrecht du ihm thuſt.
Emilie. Um dir deinen Willen zu thun, will ich den Brief holen. Es wird ſich dann ſogleich zeigen, daß ich Recht habe.
Julie. Im Gegentheil werden wir ſehen, daß ich Recht habe.


