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erreicht, ihr Blick ſchwebt über das Meer und gewahrt das weiße, immer mehr verſchwindende Segel. Die Blinde folgte Ariadnen mit ihrer ganzen Seele, und man hätte aus dem geſpannten Ausdrucke ihrer Augen ſchlie⸗ ßen können, daß ſie etwas Anderes ſehe, als— nur das Dunkel. Thränen drängten ſich unwillkürlich in Aller Augen, als ſie mit einem herzzerreißenden Ausdruck von
Liebe und Schmerz in Stimme und Geſicht mit Ariadne
ausrief:„Theſeus! Theſeus!“ Ihre Begeiſterung und unſer Entzücken hatten den höchſten Punkt erreicht, als der Oberſt ſchnell aufſtand, ans Piano ging, die Sängerin bei der Hand nahm, ohne ein einziges Wort zu ſprechen, wegführte und wieder auf den Sopha ſetzte, wo er ſelbſt an ihrer Seite Platz nahm. Ich merkte, daß ſie heftig ihre Hand aus der ſeinigen zog. Sie war todesbleich und außer ſich. Niemand außer mir ſchien ſich über dieſen Auftritt zu verwundern. Man begann ein gleichgültiges Geſpräch, woran Alle Theil nahmen, nur die Blinde nicht. Nach einer Weile ſagte der Oberſt zu ihr:„Du bedarfſt der Ruhe,“ ſtand auf und führte ſie aus dem Zimmer, nachdem ſie ſtumm, aber mit einer Art Feierlichkeit den Kopf zum Abſchiedsgruß gegen die Zurückbleibenden geneigt hatte. Im Begriff hinaus⸗ zugehen rief der Oberſt:„Helena!“ und Helena folgte ihm.
Bald darauf begab ich mich auf mein Zimmer, um der Ruhe zu genießen. Das Bild der Blinden, das mir unaufhörlich vorſchwebte, hinderte mich lange daran, ich hörte ihre durchdringende Stimme, ſah ihr ausdrucksvolles Geſicht und konnte nicht umhin, über die Natur der Ge⸗ die ihre Seele erſchütterten, Muthmaßungen anzu⸗ ſtellen.
Ich ſchlief noch nicht, als Emilie und Julie ſich leiſe auf ihr Zimmer ſchlichen, das neben dem meinigen lag. Die Thüre dazwiſchen ſtand offen, und ich hörte der beiden Schweſtern halblaute Unterhaltung. Julie ſagte mit einigem Aerger:„Du gähnſt, du ſeufzeſt, und
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