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Die Familie H. : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
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Ein Piano, ein wohlgefüllter Bücherſchrank, eine Staffelei zum Malen bewies, daß in dieſem kleinen, engen Kreiſe Nichts von dem vermißt wurde, was alle Freuden der äußern Welt entbehrlich zu machen und die Stunden des Tags auf die angenehmſte Weiſe auszufüllen vermag.

Große, prachtvolle Geranien ſtanden am Fenſter und weckten durch ihr friſches Gefühl angenehme Frühlings⸗ gedanken, während ſie die eindringenden Sonnenſtrahlen brachen, theilten und milderten, die heute in all' der Klarheit glänzten, welche ſie gewöhnlich bei einem ſcharfen Winterfroſt beſitzen. Ein ſchöner Teppich bedeckte den Boden, der mit Blumen beſäet zu ſein ſchien.

Helena nähte auf dem Sopha ſitzend. Auf dem Tiſche vor ihr lag ein neues Teſtament.

Sie empfing mich mit einem Lächeln, welches Ruhe und Zufriedenheit des Herzens ausdrückte. Ich ſetzte mich neben ſie zur Arbeit und fühlte, daß es mir ganz wohl und angenehm zu Muthe wurde. Wir nähten an Emiliens Brautkleid.

„Du betrachteſt mein Zimmer?“ ſagte Helena, mich anlächelnd, indem ihre Angen der Richtung der meinigen folgten.„Ja,“ antwortete ich,„die Zimmer deiner Schweſtern ſind ſchön und behaglich, aber man muß ge⸗ ſtehen, daß ſie mit dem deinigen nicht verglichen werden können.“—„Mein Vater,“ ſagte ſie,„wünſchte, daß Helena das einzige verzogene Kind im Hauſe ſein ſoll.“ Sie fuhr mit Thränen in den Angen fort:„Mein gu⸗ ter Vater hat gewünſcht, daß ich nie die Freuden und Genüſſe vermiſſe, die meinen ſchönen, geſunden Schwe⸗ ſtern zugänglich, mir aber, in Folge meiner Gebrechen und meiner Kränklichkeit, verſchloſſen find. Deßhalb lehrte er mich die weit reicheren genießen, welche die Ausbil⸗ dung in den ſchönen Künſten demjenigen bietet, der ſie mit warmem, offenem Sinne umfaßt. Deßhalb bildet und ſtärkt er auch meinen Verſtand durch ordnungsvolle und nichts weniger als oberflächliche Studien, welche er ſelbſt leitet. Deßhalb hat er in dieſen kleinen Winkel,