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Die Familie H. : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
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Laune, Geduld, mit Einem Wort, Alles, was ein Weib anmuthsvoll machen kann, und, um das Maaß glücklicher Gaben voll zu machen, trat zu guter letzt die Fee Pru⸗ dentia hervor und ſprach mit langgedehnten Worten alſo: Um ihrer zeitlichen und ewigen Wohlfahrt willen ſoll ſie in der Wahl eines Gatten äußerſt vorſichtig, bedächt⸗ lich, ja ſogar kitzlich ſein!Gut geſprochen! Weiſe geſprochen! riefen ſämmtliche Frauen Feen unter tiefen Seufzern.

Die Reichbegabte wuchs heran, wurde ſo liebens⸗ würdig, wie man mit Recht erwarten konnte, und bald klopften früh und ſpät Liebhaber mit Seufzern und Bit⸗ ten an die Thüre ihres Herzens. Aber ach, für die Meiſten blieb ſie beharrlich verſchloſſen, und wenn ſie ſich auch auf einen Augenblick ein klein wenig für einen öffnete, ſo wurde ſie in der nächſten Minute wieder zu⸗ gemacht und doppelt verriegelt. Glücklicherweiſe war das Zeitalter der Prinzeſſin Turandot längſt vorüber, und in Schweden, wo die ſchöne Elimia wohnte, mußte wohl die Luft etwas kühlenderer Natur ſein, als in dem Lande, wo Prinz Kalaf ſeufzte denn man hörte nie, daß die verabſchiedeten Liebhaber ihren Tagen ein Ende mach⸗ tenz*) man ſah ſie kaum den Appetit verlieren, ja, man weiß ſogar von einigen, die(ſollte man es glauben 2) ſich ein anderes Liebchen ausſuchten mit derſelben Gelaſſenheit, wie man andere Strümpfe anzieht.

Der erſte, der ſich als Prätendent vom Herzen der ſchönen Elimia meldete, ward von ihr zu ſentimental ge⸗ funden, denn er entſetzte ſich über das Verbrechen, eine Mücke zu tödten, und ſeufzte über das Schickſal der un⸗ ſchuldigen Küchlein, die auf dem Mittagstiſche als Bra⸗

*) Die Verfaſſerin weiß hier entweder die Fabel nicht recht, oder hat ſie eine andere im Auge, als vie in Deutſchland durch Schiller eingeführte, der zufolge die verſchmähten Liebhaber bekanntlich hingerichtet wurden.

Anm. des Ueberſ.