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Die Familie H. : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
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Iſt der Herr im Hauſe bei übler Laune, ſo wird ſie vorgeſchoben, entweder in der Eigenſchaft eines Blitz⸗ ableiters, oder als ein Blaſebalg, deſſen Obliegenheit iſt, das Unwetter fortzublaſen. Hat die Frau Nervenzufälle, ſo iſt ihre Gegenwart ebenſo vonnöthen, wie die der eau de Cologne-Flaſche. Sind die Töchter verdrieß⸗ lich, ſo iſt ſie da, um Theil daran zu nehmen; haben ſie fleine Wünſche, Plane, Projecte, ſo iſt ſie das Sprach⸗ rohr, durch welches ſie vor etwas tauben Ohren reden. Schreien die Kinder, ſo ſchickt man ſie zu ihr, um ge⸗ ſchweigt zu werden; wollen ſie nicht ſchlafen, ſo muß ſie ihnen Mährchen erzählen. Iſt Jemand krank, ſo wacht ſie. Sie beſorgt Kommiſſionen für die ganze Familie, und muß bei jeder Gelegenheit Allen mit gutem Rathe zu Handen ſein. In der Küche läßt ſie ihre wachſamen Blicke umherlaufen und im Salon ſervirt ſie den Kaffee. Kommt vornehmer Beſuch, wird das Haus auf den Pa⸗ radefuß geſtellt, ſo verſchwindet ſie. Man weiß nicht, wo ſie iſt, ſo wenig, als man weiß, wohin der Rauch, der aus dem Schornſteine aufſteigt, ſeinen Weg nimmt. Aber die Wirkungen ihrer unſichtbaren Nähe dürfen nicht aufhören, ſich tundzugeben. Man ſtellt auf den ge⸗ ſchmückten Mittagstiſch nicht die Pfanne, worin die Créme gekocht worden iſt, dieſe muß auf dem Herde ſtehen bleiben, und auf gleiche Weiſe iſt es das Loos der Hausräthin, das Nützliche und Angenehme zu berei⸗ ten, aber der Ehre zu entſagen. Kann ſie das mit ſtvi⸗ ſcher Beharrlichkeit und Reſignation, ſo iſt ihre Eriſtenz oft eben ſo intereſſant für ſie ſelbſt, als wichtig für den Familienkreis. Es iſt wahr demüthig und ſtill muß ſie ſein, muß ſachte durch die Thüren gehen, weniger Lärm machen, als eine Fliege, und ſich ja nicht, wie dieſe, den Leuten auf die Naſe ſetzen; ſie muß ſo ſelten gähnen, als ihr menſchlicher Organismus es zuläßt; dagegen darf ſie Augen und Ohren ganz frei, wiewohl mit Vorſicht brauchen, und hat herrliche Gelegenheit, Nutzen daraus zu ziehen. Im Gegenſatz zu dem, was

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