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Die Familie H. : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
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Lächeln, wie in den Thränen ſtrahlte warme, innige Mutterliebe.

Emilie ſchien die Blicke der Mutter nicht zu be⸗ merken, denn ſie ſervirte vollkommen ruhig mit ihren ſchönen weißen Händen den Thee, während ſie durch eine angenommene, würdevolle Miene den Poſſen ihres Bruders Karl ein Ende zu machen ſuchte, der unter den Theegeräthſchaften all die Verwirrung anrichtete, die ſich, wie er verſicherte, im Herzen der lieben Schweſter vor⸗ fand. Sie war von mittlerer Statur, gedrungen, aber ſchön gewachſen. Blond, weiß, aber ohne regelmäßige Schönheit in den Zügen war ihr anmuthsvolles Geſicht beſonders einnehmend durch den Ausdruck von Reinheit, Güte und Aufrichtigkeit, der über demſelben ruhte. Sie ſchien ihres Vaters ruhigen Charakter, jedoch mit einer größeren Beigabe von Heiterkeit geerbt zu haben, denn trotz ihrer angenommenen Würde lachte ſie oft und ſo herzlich, daß alle andern ſich verführen ließen, ihr Ge⸗ ſellſchaft zu leiſten.

Es läßt ſehr wenigen Leuten ſchön, wenn ſie lachen, man ſieht ſogar Manchen, der bei dieſer Freudenäußerung das Tuch vor das Geſicht hält, um das Unbehagliche zu verbergen, das durch die zuſammengedrückten Augen, die Bewegung des erweiterten Mundes u ſ. w. entſtehen könnte. Emilie würde dieſe Vorſichtsmaßregel verſchmäht haben, ſelbſt wenn ſie ihrer bedurft hätte; ſie war auch in den kleinſten Dingen zu einfach und aufrichtig, um ſich zu einem Manöver der Gefallſucht herabzulaſſen. Im Uebrigen hatte ſie in dieſem Fall durchaus keine Ver⸗ anlaſſung dazu, denn ihr Lachen war ungemein anmuthig, ſowohl wegen ſeiner Naivetät und Herzlichkeit, als auch, weil es die ſchönſten weißen Zähne ſehen ließ, die je einen hübſchen, friſchen Mund geſchmückt haben; aber daran dachte ſie nicht.

Wäre ich ein Mann geweſen, ſo würde ich beim erſten Anblick Emiliens gedacht haben:Dieſe muß die Meinige werden!(NB. Wenn ſie will.)