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ſieben vorhanden. Die Mitglieder der Familie machten, ſo wie ſie um den Tiſch herum ſaßen, den Eindruck eines vielfarbigen Blumenkranzes. Frau Cäcilie ſelbſt, die zwiſchen dem Knirps und Naima ſaß, nahm ſich wie eine ſchöne, aber beinahe verblühte Roſe zwiſchen zwei allerliebſten Roſenknöſpchen aus. Ja, auch verblüht war ſie noch ſchön. Sie war es ganz beſonders dieſen Morgen. Ihr edles Geſicht hatte, wenn es auch bläſſer war als gewöhnlich, doch etwas ungewöhnlich Heiteres und Gro⸗ ßes in ſeinem Ausdruck, Etwas, das an einen überſtan⸗ denen Kampf, einen vollendeten Sieg erinnerte. Sie trug eine neue ſchneeweiße Haube von leichtem Flor die in angenehmen Falten und Formen, gebildet von den feinen Fingern der Innerſten, ihr Haupt umgab und ihr außerordentlich gut ließ. Wieder und wieder ſah Ida auf dieſen Kopf; es war ihr immer, als ſehe ſie einen Heiligenſchein um denſelben. Und aus mancherlei Ur⸗ ſachen vergaß Ida das heutige Ausſehen ihrer künftigen Schwiegermutter nie. Es prägte ſich wie ein unver⸗ löſchlich Bild ihrer Seele ein. Sie ſelbſt war wie ge⸗ wöhnlich ſchwarz gekleidet, hattte aber Ina erlaubt eine purpurrothe Nelke in ihr Haar zu ſtecken, und auf ihren Wangen flammte ein ſtärkerer Purpur, als gewöhnlich bei den Blicken bewunderungsvoller Liebe, welche Adolph auf das ſchöne Geſicht heftete. Aber ihr Blick war finſter, und das ſtolze Herz ſchwoll von geheimem Leid. Schon ſeit dem Tag, da ſie mit Adolph zurückgekehrt, war Frau Cäcilie, obſchon ſie ſich immer freundlich gegen ſie zeigte und ſie würdevoll und mütterlich als ihre künftige Schwiegertochter begrüßt hatte, doch nicht ſo wie früher gegen ſie geweſen. Kein erquickender Scherz, keine kleine Liebkoſung, wie früher oft, war ihr von Frau Cäcilie zu Theil geworden; nicht ein einziges Mal hatte ſie„meine Frau Sola“ zu ihr geſagt. Jda konnte ſich das nicht verhehlen. Frau Cäcilie war mit Adolph's Verbindung nicht zufrieden und ſah Ida nicht mit Freu⸗ den in ihr Haus, in den Kreis ihrer Kinder eintreten. Alles das laſtete Ida ſchwer auf der Seele. Sie fühlte Die Johannisreiſe. 12


