Teil eines Werkes 
3 Bändchen (1849)
Entstehung
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Hör' einmal! Glaubſt Du, daß man, um ein recht gründlicher Philoſoph zu ſein, nothwendig philoſophiſche Bücher leſen, Philoſopheme geſchrieben haben müſſe? Glaubſt Du nicht, daß die wichtigſten Ergebniſſe der höchſten Philoſophie im Beſitz einer Menſchenſeele ſein können, die niemals geleſen, niemals die Namen Schelling und Hegel gehört hat. Mein Lieber! Glaubſt Du, daß die ewige Wahrheit, daß die Weisheit mit ihrer Erſcheinung unter den Menſchen ſo lange ge⸗ wartet hat, bis der Philoſoph vom Handwerk Zimmer für ſie eingerichtet hat und zu ihr ſagt: Hier Ew. und zu den Menſchen: Da ſitzt ſie, ihr guten

eute!

Und wenn der Philoſoph ſich täuſcht, wenn ſie nicht da ſitzt, glaubſt Du, daß dann eine ſolche Seele irre gehe und auf den falſchen Weg geleitet werde? Ach nein, das berührt ſie gar nicht. Sie blickt hinab in die Tiefe ihres Bewußtſeins und findet dort ein anderes Licht, eine andere Lehre; die falſche Weisheits⸗ lehre aber ſtößt ſie mit einem Lächeln von ſich oder läßt ſie bei Seite.

Glaube, was iſt Glaube? Das Niedrigſte und das Höchſte. Er kann die ſelaviſche Verbeugung des Geiſtes vor einem Bilde, einem Buchſtaben ſein. Er kann auch die dem vernünftigen Geiſt innewohnende Ahnung der ewigen Wahrheit ſein.

Iſt der Glauben denn nicht die Straße des Geiſtes zum Allerhöchſten? der Fußweg den Berg hinauf.

Will ich damit die Gelehrſamkeit, die Philoſophie läſtern? Es ſei ferne von mir! Sie iſt uns ein Schild, eine Mauer, eine Veſte, und wie eine Sonne wird dereinſt ihr Wort über das Leben hin leuchten, durch alle Wolken des Gedankens hindurch. Aber ſiehſt Du, ich denke mir die Sache ſo. Wenn die himmliſche Idee ſich zur Erde herabläßt und ihre Wohnung unter den Menſchenkindern nimmt, ſo geht ſie bei dem Einen mehr in den Kopf, bei dem Andern mehr in die Phan⸗ taſie— dieſes wunderbare innere Zimmer, voll von