Teil eines Werkes 
3 Bändchen (1849)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

mel auf Schonens Marken herab und macht ſie frucht⸗ bar und ergiebig. Die Ebene iſt jetzt meiſt in wogende Kornfelder verwandelt, und auf den grünen Fluren luſtwandeln bunte Heerden, weiße Gänſeſchwärme. Um⸗ geben von herrlichen Buchwäldern, erheben ſich zwi⸗ ſchen Saatfeldern und Sandhaiden ſtolze Herrenſchlöſ⸗ ſer mit ihren Zauber- und Geſpenſterſagen, ihren Traditionen von ſchonen'ſchem Adel, von den einſt glänzenden Geſchlechtern, ſtolz, mächtig, prächtig, reich an eigenthümlichen, beſonderen Geſtalten, Männern ſowohl als Frauen.

Unter den Schlöſſern liegen Dörfer, umgeben von dürftigen Weidenbäumen, Anfangs aus Reiſig und Lehm, ſpäter aus Fachwand und zuletzt aus gutem Stein erbaut, worin Kinder und Gänſe in ewigem Schmutz umherwaten. Und Burg und Dorf verhöhnend, blicken gleich Geiſtern unter Bäumen weiße Kirchen aus dem Saatfeld empor.

Der ſchonen'ſche Adel iſt in Bezug auf Rang und Reichthum bei Weitem nicht mehr, was er früher ge⸗ weſen. Er iſt herabgekommen. Der Bauernſtand hat ſich emporgearbeitet und thut dieß mit jedem Tage mehr. Die Vereinigung der Felder, welche die Dör⸗ fer von einander trennten, iſt des Bauern Glück ge⸗ worden. Auf ſeinen vereinſamten Grundſtücken, ſeinem burgartig abgeſchloſſenen Hof bringt er es leicht zur Wohlhabenheit. Iſt er aber einmal reich, ſo wird er nicht ſelten träge und ariſtokratiſch, oft ariſtokratiſcher als in unſern Tagen der Burgherr, der Graf oder Baron iſt. Verliebt in ſeinen Grundbeſitz und ſtolz darauf verweigert der Freibauer ſeine Tochter einem Pächter, der nicht Grundbeſitzer iſt, und betrachtet die Verbindung mit einem ſolchen als eine grobe Mißheirath.

Der ſchonen'ſche Bauer iſt bekannt durch ſeine Lang⸗ ſamkeit und Schwerfälligkeit, weniger aber durch den Verſtand und die Kraft, wodurch er ſich aus einer niedrigen Stellung zu bedeutendem Wohlſtand und An⸗ ſehen emporgearbeitet hat, ſowie durch den Gemeinſinn,

zwe jag Ma