lie⸗
vor
or⸗ den
195
Das Requiem muß vollendet werden; iſt's auch eine an⸗ dere Hand, die es ſchreibt, iſt's auch ein anderer Kopf, der dabei denkt, ich will ihm meine Gedanken mittheilen, mein Geiſt ſoll auch in dem, was noch nachkommt, fort⸗ wehen... Schick nach Süßmayer, er muß arbeiten, ſo lang' ich denken kann.“
Die arme Frau willfahrte auch dieſem Wunſche des Gatten.
Der Schüler, mit dem Stift in der Hand, verbrachte nun mauche Stunde am Lager des kranken Meiſters, und nahm mit mühevollem Eifer die letzten Ausſtrahlungen des bewunderungswürdigen Geiſtes in ſich auf.
Die Schwäche mehrte ſich von Stunde zu Stunde; ſein Gefühl und beſonders das Gehör wurden ſo empfind— lich, daß ein Kanarienvogel, ſein Liebling, ſogar aus dem Nebenzimmer entfernt werden mußte, weil deſſen Geſang ihn afficirte.
Sofie, Konſtanzens jüngere Schweſter, die bei ihrer Mutter auf der Wieden wohnte, kam täglich zu Beſuche, um ſich nach dem Befinden des kranken Schwagers zu erkundigen.
„Ah! da ſind Sie ja!“ ſprach Mozart ſie eines Tages an(es war der 4. Dezember);„heute bleiben Sie bei mir; Sie müſſen mich ſterben ſehen!“
Das Mädchen that ſich Gewalt an, um nicht in
2
5 S
—


