92
Ich öffnete es, ſah nach der Unterſchrift— es hatte keine. Ich begann zu leſen, fand einen ſchmeichelhaften Eingang und darauf die Anfrage, ob ich geneigt wäre, ein Requiem zu komponiren, welches Honorar ich dafür for⸗ dere und binnen welcher Zeit mir deſſen Vollendung mög⸗ lich ſei?
Ich hieß den Boten ſich niederſetzen, theilte meiner Stanzerl den ſonderbaren Antrag mit und frug ſie um ihren Rath, ob ich ihn annehmen ſolle?
Meine Frau wollte vorher meine Anſicht hören.
Ich wünſchte wohl, mich einmal auch in dieſem Genre zu verſuchen, antwortete ich; da, wie Du weißt, der höhere Styl der Kirchenmuſik von jeher mein Lieblingsſtudium war.
Starzerl ſtimmte mir bei und wir frugen den Bo⸗ ten, wer der Beſteller ſei?
Dieſer zuckte geheimnißvoll die Achſeln und ſagte: Ich bin nicht ermächtiget, ihn zu nennen.
Ich ſah meine Stanzerl bedeutungsvoll an.. ſie mich ebenfalls.
Macht nichts! ſagte ſie hierauf; antwort' nur, wir werden ja ſehen!
Wir waren Beide geneigt, das Ganze für eine Mi⸗ ſtyfikation zu halten.


