Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

42

Selbſt der verſtockteſte Sünder, wenn er ſein letz⸗ tes Stündlein verſpürt, oder deſſen Herannahen befürch⸗ tet und ihm, ſo zu ſagen: das Meſſer ſchon an der Kehle ſitzt, wendet den Mantel nach dem Winde und beginnt jene Regungen zu fühlen, die ſich früher oder ſpäter einſtellen, und je länger man gegen ſie unem⸗ pfindlich geblieben, deſto heftiger dann hervorbrechen und mit all' ihren Qualen und Martern losſtürmen. Das Gewiſſen iſt ein boshaft Kind, je länger es ſchläft, deſto mürriſcher erwacht es, und nur der wird ſeine Pein nicht zu fürchten haben, der es immer wach er⸗ hält. Schikentanz glaubte nun ſein letztes Stündlein herangekommen und die Todesfurcht weckte das ihm bis jetzt ganz unbekannte Gefühl der Reue in ſeinem Herzen und ſtöberte ſein Gewiſſen aus dem trägen Winterſchla⸗ fe; es war daher ſein vollkommner Ernſt, ein Bekennt⸗ niß ſeiner Miſſethaten abzulegen, die ſich nun in einem ganz andern Lichte zu ſpiegeln begannen, wie es früher bei ihm, und bei Blaſenfeld noch jetzt der Fall war. Es währte daher lange, bis er den an ſeinem Lager knieenden Mönche Alles vertraut hatte, was ihm, ſo zu ſagen, das Herz abdrückte; denn je länger er ſprach, deſto tiefer kam er in den Irrgarten hinein, ſo daß er ſich kaum mehr herauswinden konnte. Dieſe Anſtren⸗ gung brachte auf den Körper des ſchwachen Ritters eine