Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

jeder weiß, wo ihn der Schuh drückt, wer weiß, wie Ihrs in meiner Lage treiben würdet?“—

Die Schüler blickten mitleidig auf den Bürger, ihn gleichſam zur Mittheilung auffordernd, allein der Kummer iſt nicht ſo geſchwätzig wie die Freude, der Handwerker ſeufzte und ſchwieg.

„Nun Meiſter,“ ſprach ein Anderer der Schüler,

„nehmt doch Troſt an, und überlaßt Euch nicht ſo ganz

ohne Widerſtand dem Schmerz und der Sorge, theilt uns Euer Gepreſte mit, vielleicht können wir Euch helfen.“

„Mir kann nur der liebe Gott helfen,“ entgegnete der Bürger,„und das nur dann, wenn er mich von der Erde nimmt.“—

„Ho, ho!“ rief einer der Studioſen,„Ihr ſeid ja ganz melancholiſch, Meiſter,— habt zu viel dickes Blut, laßt Euch's abzapfen.“

„War't Ihr lange von Wien abweſend?“ unter⸗ brach ihn der Handwerker fragend.

„Bei achtzehn Monden,“ verſetzte Jener.

„Nun ſeht,“ fuhr Jener fort,„hättet Ihr damals meine Lage gekannt, Ihr würdet mich ſchier beneidet haben. Ein hübſches Haus auf dem Fleiſchmarkt, ein blühend Weib, zwei holde Büblein und ein einträglich Gewerb— ich bin ein Tuchbereiter fellt Ihr wiſſen—