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Alt- und Jung-Israel : Sittenbilder / von Eduard Breier
Entstehung
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Fradl war ein ſehr ſchönes Kind, ihre Augen waren blau wie Feigel ¹), ihr Haar blond und ſeide⸗ weich, ihr Ponim war weiß wie Schnee, und die Go⸗ ſchelech*) haben geblüht, wie Roſen; dabei war ſie ge⸗ wachſen wie ein Lulew ²) aber verſteht ſich, nicht ſo dünn, ſondern nur ſchlank, aber voll und üppig.

Ein Sprichwort ſagt:Alle Schuſter tragen zer⸗ riſſene Stiefel, und alle Schadchonim haben alte Ma⸗ den. Das war auch hier der Fall, wiewohl Reb Jai⸗ kew, Fradels Vater, ein Schadchen war, ſo hatte er für ſeine Tochter doch noch keinen Mann gefunden, denn das Geſchäft mit den Taleßim und Zizis iſt ſchon da⸗ mals ſehr ſchlecht gegangen, weil die Zizisbeißer*) im mer ſeltener geworden ſind, daher hat er für ſeine Fradl keinen Nedann*) gehabt, und eine Mad ohne Nedann kriegt ſelten einen Mann, denn bei uns Jüdon iſt es leider eingeführt, daß, wenn ein junger Menſch zwei Groſchen im Vermögen hat, will er gleich tauſeud Gulden Nedann haben; auf dieſe Art iſt Reb Jaikews Fradl neunzehn Jahr' alt geworden und iſt zu keinem Schidech*) gekommen.

Wie nun Noßele oft zu ſeinem Chawer ins Haus gekommen iſt, hat er auch deſſen ſchöne Schweſter kennen gelernt und hat oft mit ihr geſprochen und da ſind ihm auf einmal aufgegangen die Augen, und da

Veilchen.) Wangen. ²) Palmzweig. ²) Die Frommen. * Heirathsgut. ²) Heirath.