Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

193 im weichen Kuſſe und vereinen ſich, als ſollten ſie ſich nie wieder trennen.

„Mein Wohlmuth!“ hauchte die Jungfrau.

„Agnes!“ liſpelte er und umſchlang die zarten For⸗ men, drückte ſie feſt an ſich, als wollte er die Förper in Einen zuſammen preſſen. Aengſtlich wandte ſich die Jungfrau aus der beengenden Lage, ihr Herz pochte ge⸗ waltig, das ſchaurige Dunkel der Laube wehte„ un⸗ heimlich an.

„Komm Wohlmuth, komm heraus in die helle

Kacht,“ bat ſi ſie den leidenſchaftlichen Jüngling,„das dunkle Blättergemach flößt mir Furcht ein— hier im Freien laß' uns luſtwandeln, zwiſchen den Blumen, den ſtummen Vertrauten unſerer Liebe, ſie mögen es vernehmen, das geſchwätzige Flüſtern— ſie verrathen uns nicht.“

Wohlmuth drückte die Geliebte an ſich.„Wie lange iſt es ſchon her“ begann er leiſe,„daß ich Dich, meine Herzensluſt nicht zu ſprechen bekam. Ach Agnes, die Zeit— ſie ſchleicht ſo langſam, ſo träge dahin; von einem Sonntage zum andern, wo ich Dich wenigſtens ſehen durfte, ſchien's mir eine Ewigkeit, mit Ungeduld ſah ich dem nächſten entgegen, wenn der frühere kaum verfloſſen war.“

Wien. I.