ganzen Stadt Wien anzutreffen war. Sein Anzug war
ganz einfach, ein graues Wamms, eine ſchwarz ver⸗ brämte Schaube, Pluderhoſen und abgerundete Schuhe. Als er ſo auf die Mitte des Marktes kam, hörte er plötzlich hinter ſich rufen:„Gevatter Lorenz! Gevatter Lorenz!“
Er kehrte ſich raſch um, und erblickte den Rufer, der über die ganze Menge, wie ein Thurm über die Stadthäuſer hervorragte.
„Grüß' Euch der Himmel lieber Gevatter Mi⸗ chel!“ rief das kleine Männlein und ſtreckte dem An⸗ kommenden ſeine kurze Hand entgegen. Die beiden Ge⸗ vattersleute waren vor Freude außer ſich, und es dauerte eine hübſche Weile ehe das Geſpräch ſo recht in den Gang kommen konnte.
Dieſe Augenblicke wollen wir benützen, unſere Leſer mit dem Gevatter Michel etwas näher bekannt zu machen. Er war ein überaus langer dürrer Mann, gonz das Gegentheil vom Gevatter Lorenz, die Beiden bildeten zwei ſo vollkommene Contraſte, daß man ſich ſchier darüber verwundern mußte, wie ſie nur Gevat⸗ tersleute werden konnten. Denkt man ſich ein über ſechs Schuhe langes Knochengerippe mit einer Menſchenhaut überzogen, ſo hat man eine vollkommene Vorſtellung vom Gevatter Michel; ſeine Ohren, Naſe, Hände
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