XI
auf, ſie gehen aus den Gemuͤthszuſtaͤnden hervor, die ſie eben bildet. Mrs. Bray erſcheint niemals hinge⸗ riſſen, ſie beherrſcht ihren Stoff und die Handelnden; ſie kennt ihr Ziel, ihre Grenzen, und in ihrer ſelbſtbe⸗ wußten Seele ſpiegelt ſich immer das Bild rein wieder, an dem ſie gerade arbeitet. Dieſer Charakter innerſter Harmonie, der ihre Dichtungen auszeichnet, bildet ihren vorzuͤglichſten Reiz.
Den reinen Zweck angenehmer Unterhaltung in's Auge gefaßt, glauben wir nicht, daß die erzählende Kunſt hoͤ⸗ here Erfolge erreichen koͤnne, als bei Mrs. Bray ge⸗ ſchieht. Sie beſchwichtigt die Seele, die ſie erſt maͤßig erregte; ſie gibt Bilder und Gedanken, denen leicht und angenehm zu folgen iſt; ſie ſtoͤrt uns nie in jenem behag⸗ lichen Halbtraume der Seele, der zur Anſchauung des Schoͤnen, zur Empfaͤnglichkeit fuͤr daſſelbe ſo beſonders geeignet iſt. Dies iſt ihre Kunſt, ihre Eigenthuͤmlichkeit, und wir kennen Niemand, der ihr hierin den Rang ſtrei⸗ tig machte.— Die Flut unſerer hiſtoriſchen Romane hat Nichts aufzuweiſen, was die„Weißkappen“ der Mrs. Bray an Anziehungskraft, an innerer Abrundung und Genuͤge, an harmoniſcher Kunſtwirkung uͤbertraͤfe. W. Scott erklaͤrt es einmal fuͤr keine unwuͤrdige Vorſtellung vom Paradieſe, wenn er ſich daͤchte, hier im ſommerli⸗ chen Schatten, an einem murmelnden Bache behaglich zu ruhen und täglich einen neuen guten Roman zu leſen. Mrs. Bray waͤre die Schriftſtellerin fuͤr ihn! So
ſanft ſpricht ſie jede gute Regung in unſerer Bruſt an, ſo mild malt ſie die Leidenſchaft, ſo erweckt, ſo reizt und befriedigt ſie durch immer neue, natuͤrliche und anmuthige Bilder.
Wir haben noch nicht Alles geſagt, was ſich zur Ehre dieſer Schriftſtellerin ſagen läßt. Die vorliegenden hiſtoriſchen Gemaͤlde zeugen von einer ſo klaren, richtigen und kraͤftigen hiſtoriſchen Auffaſſung, einer ſo gluͤcklichen Wiedergeſtaltung der Zeit nach gruͤndlichen Studien, als nur irgend eines der Gemaͤlde des Waverley⸗Verfaſſers. Leben, Wahrheit und Bewegung bezeichnen und erfuͤllen


