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XI
ſehen. Wir ſind nicht zweifelhaft, welchem Reize in ih⸗ ren Darſtellungen dieſer Erfolg zu danken ſei. Es iſt zuvoͤrderſt ein tiefes, religios⸗ethiſches Element, in dem die Erfindungen dieſer Schriftſtellerin gleichſam ſchwim⸗ men und das ihnen eine ſo ungemeine Wirkung mittheilt, gegenuͤber den principienloſen, in ſich häßlichen, ſatani⸗ ſchen Gebilden der neueſten franzoͤſiſchen Schule des Ro⸗ mans. Naͤchſtdem iſt es ihre ruhige Klarheit, die uns zu ihnen hinzieht. Wir wagen nicht zu viel, wenn wir den Anblick ihrer Gemaͤlde, was ihre Erfindung betrifft, mit dem Anſchauen irgend eines claſſiſchen Werkes der bildenden Kunſt des Alterthums vergleichen. So ſtill und uͤberſichtlich wie die Geſtalten einer Niobe, einer Minerva, ſtehen auch die ihrigen vor uns da, jeder Anſchauung of⸗ fen. Nirgend wird etwas Gewaltſames, ein hervorbrechen⸗ des Streben, nirgend Haſt oder Zwang ſichtbar; der Strom ihrer Erzählung fließt leicht, zwanglos, unge⸗ hemmt und— um ein oft gebrauchtes Bild noch einmal zu gebrauchen— wie ein Bach, der zwiſchen Blumen⸗ ufern murmelt, dahin. An keiner Stelle huͤpft oder ſpringt er uͤber Hinderniſſe hinweg; ſein ganzer Lauf iſt ſo be⸗ ſonnen gewählt, ſo klar angeſchaut, daß wir ihn wie ei⸗ nen Silberfaden von einem Ende zum andern ſtets deut⸗ lich uͤberſehen. und doch fehlt es in ſeinem Laufe nicht an reizendſter Abwechſelung; aber dieſe gibt ſich unge⸗ ſucht, ſie iſt immer vollkommen naturgemaͤß und ver⸗ raͤth niemals Abſicht oder Anſtrengung. Wir erkennen in Mrs. Bray's Dichtungen einen feinen, geſchmackvoll gebildeten Geiſt, und nehmen in ihnen wahr, daß die Grenzen des Schoͤnen nicht uͤber das Ermeßbare hinaus⸗ gehen; kurz, daß es nicht nothig iſt, ſtets Himmel und Hoͤlle in Bewegung zu ſetzen, um zu gefallen und das Schoͤne darzuſtellen. Eine reiche Lebensbeobachtung und gruͤndliche Studien kommen dem großen Darſtellungsta⸗ lente der Dichterin zu Huͤlfe; doch ſehen wir nirgend eine uebertreibung oder Vorliebe, ſei es für die reflective, oder fuͤr die thatſächliche und die hiſtoriſche Seite des Romans. Sie malt und ſchildert nicht breit und langweilig, wie Cooper, ihre moraliſchen Reflexionen dringen ſich nirgend


