6 „Eben als Freund; doch breche ich ab davon, da „Zu verletzen ſcheint? Nein! Hier meine Hand
darauf!“
„Höre, Ernſt, Du haſt Dich verändert.“
„Die Zeit ändert Alles.“
„Darf ich ſagen, was ich denke?“
„Sage es immerhin!“
„Ernſt, Du liebſt! Du liebſt nicht glücklich!“
Statt aller Antwort reichte Ernſt ſeinem Freunde die Hand. Dieſe zuckte leiſe, während ſeine Augen feucht wurden und eine Art Fieberröthe ſich über ſein Antlitz ergoß.
„In Wahrheit“, ſagte Karl nach kurzer Pauſe wie zu ſich ſelbſt,„das Menſchenleben iſt uner⸗ ſchöpflich an Wandlungen, unergründlich in ſeinem in⸗ nerſten Weſen und vor allem die Liebe, wie Shakſpeare ſagt, ſo voll von Phantaſie, daß ſie allein nur hoch phantaſtiſch iſt.“
Dann Ernſt's Rechte mit beiden Händen umſchlie⸗ ßend und ihn mit innigſter Theilnahme betrachtend, fügte er hinzu:
„Mein Ernſt, der ſonſt ſo unzugängliche Mann der exacten Wiſſenſchaft, der Liebe unterthan! Und ich ſage Dir, das entzückt mich, obgleich Du augenblicklich


