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Dichterleben aus unserer Zeit : Novelle / von Jean Charles
Entstehung
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Es iſt Clary.

O welch einen Blick ſendet ſie dem Geliebten zu! Ihre und ſeine Lebensgeſchichte ſpricht daraus und wir leſen deutlich, was er ſpricht, denn es ſteht auch auf ihrer hohen Stirne wie mit Sonnenſtereotypen geſchrieben. Sie ruft von ihrem Grabe zu ſeinem herüber:O du Warner, Lehrer, Freund meiner Jugend, du hat⸗ teſt im wichtigſten Augenblicke deines Lebens keinen 1 Warner, keinen Lehrer, keinen Freund! Nachdem du die erſte ſchöne Kraft deines Geiſtes der Kunſt ge⸗ 1 weiht, zur Ehre deines Vaterlandes, wagteſt du dich auch mit der Kraft des Mannes in den Kampf um ſeine Sicherheit; du ſtritteſt für Ordnung, Maß, Ge⸗ ſetz; aber du hatteſt keinen Freund zur Seite, der mit ſeiner Fackel den Rumpf der abgeſchlagenen Köpfe ver⸗ ſengt hätte, und ſie wuchſen und ſchoſſen wieder em⸗ por und gegen dich und wüthender denn zuvor. Du wollteſt ein bleibendes Denkmal der vaterländiſchen Poeſie errichten und du bauteſt es auf; das aber wurde der Grabſtein deines Glückes. Denn noch lagſt du, wie in dieſem Augenblicke, am Grabhügel der Mutter deines Kindes, und warſt geiſtig und körperlich krank und matt, als das Leben des Tages mit ſeiner entſcheidenden Frage vor dich hintrat; das friſche, kräftige, reiche Leben zu dir, dem Müden, Ge⸗