280
ringsum, nur ſchwach unterbrochen vom Rauſchen der Spaten, die in der Ferne Erde aufwerfen, worunter Fragmente von Schädeln und Knochen, deren Bürger⸗ recht ſich hier bereits verjährt hatte; arme Reſte, die der Fluch der Armuth ſelbſt noch im Grabe verfolgt und aller und jeder Ruhe beraubt.
Um das Häuschen fern am Hauptthore des Fried⸗ hofs hat ſich der Todtengräber einen ſchönen Blumen⸗ garten gezogen und er arbeitet ſo eben darin, unter⸗ ſtützt von einem lächelnden jungen Weibe, ſeiner Gat⸗ tin, und mehreren blühenden Kindern, womit ſie ihn beſchenkt.
Sonſt— es iſt noch früh am Tage— weilt nie⸗ mand hier. Doch, ſeht nur! Da ruht— wenn es nicht eine Bildſäule iſt— an einem Marmorwürfel, nur wenige Gräber weit von dem Maria's, eine weibliche Geſtalt.
Es iſt keine Statue, ſie regt ſich, erhebt das tief geſenkte Haupt und wir blicken in ein edles aber gramgebleichtes Antlitz, deſſen dunkle, thränenbethauete Augen einen Blick voll unausſprechlicher Wehmuth nach Carl und ſeinem Kinde richten. Wir ſollen dieſe hohe Geſtalt, dieſe ſchönen ſchmerzdurchgeiſteten Züge kennen, und dieſer Blick iſt uns nicht unbekannt; wer iſt das junge Weib?—


