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nenſchein, nud erquickt und erſchüttert ſie durch Regen und Donner.—
Der bleiche junge Mann, ein holdſeliges kleines Mädchen an der Hand, ſchreitet geſenkten Hauptes langſam durch die geſchmückten Gräber einher und ſcheint eines zu ſuchen, deſſen Inhalt in ſeiner Seele den ganzen unermeßlichen Reichthum aller übrigen aufwägen mag. Nun hat er es gefunden und— ſinkt darauf hin.
Es iſt ein einfaches weißes Kreuz auf einem So⸗ tel von friſch gerichteter Erde, geſchmückt mit ſchönen Blumen und eingefriedigt von Immergrün; die ovale Platte auf dem Kreuze trägt die Inſchrift:
„Todt mein Lieb, mein Leben, ach,
Todt du Engelgleiche!
O mein ganzes Daſein brach
Ein an deiner Leiche!“ Und darunter iſt zu leſen Geburt- und Sterbetag um den Namen„Maria“.
Ja, Leſer, hier ruht die gute Mutter dieſes lieben Kindes, das, ſeine Händchen zum Gebete faltend, ne⸗ ben dem Vater niederkniet, und dieſer iſt der arme Dichter Carl von***.
Vater und Tochter knieen regunglos, lautlos. Nichts ſtört ſie. Heiliges, ehrfurchtgebietendes Schweigen


