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Dichterleben aus unserer Zeit : Novelle / von Jean Charles
Entstehung
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XXII.

ZBwei Jahre ſpäter.

Die Blumen weinen. Oder glänzen Nur Zaͤhren auf den ſchoͤnen Kraͤnzen, Die ihm um's Haupt die Zeit geſchlungen, Und die der Sturm ihm jetzt entrungen?

Es iſt im Juli. Ein prachtvolles Morgengewitter hat die glühende Stirne des Himmels gekühlt und die Blumen der Erde weinen Freudethränen. Selbſt die von der Nachliebe gepflanzten und gepflegten des großen Friedhofs, durch deſſen weite Straßen, gebil⸗ det von vielen tauſend Denkmälern, ein junger Mann, matt und abgehärmt, einherſchreitet. Dieſe große Re⸗ ſidenz des Todes hat viel Aehnliches mit der großen lebenvollen Hauptſtadt, an deren äußerſter Barriere ſie ſich ausdehnt; auch in ihren Gaſſen wechſeln Pa⸗ läſte mit armſeligen Häuſern in raſchem Contraſte und die Natur, die keinen Unterſchied zwiſchen Leben und Tod kennt und macht, durchzieht und verherrlicht ſie mit Lanb und Blumen, Sonnen-, Mond⸗ und Ster⸗