füͤr eine Deutſche geben zu wollen; jeder Blick, jede Geſte würde Sie verrathen.
Aber ich ſpreche doch ſo ziemlich deutſch—
Vortrefflich ſogar; vielleicht denken Sie ſelbſt deutſch: fühlen jedoch werden Sie immer franzöſiſch; denken kann man lernen, fühlen nicht. Sie ſind eine erotiſche Pflanze und bei uns im Treibhauſe; im Freien würden Sie bald abſterben.
Aber die Sonne deutſcher Bildung iſt doch ſo mild—
Ja; doch reicht ſie eben nur für unſer gemäßigtes Lebensprincip hin, um es zur Blüthe und Frucht zu bringen; für das Gemüth genügt unſere Sonne, aber—
Nun, mein Herr, aber—
Aber— nicht für das, was ich Geiſt nenne.
Ei, Ihre Literatur iſt ſo überreich an Geiſt—
Das iſt ſie, aber nicht unſer Leben. Der Geiſt hat ſich daraus nothgedrungen exilirt und in die Gren⸗ zen des Wortes geflüchtet; unſere Kleinſtädterei ver⸗ trieb ihn und wird ihn wohl immer zu dieſer Stellung zwingen. In Frankreich iſt es umgekehrt; da iſt mehr Geiſt im Leben als in der Literatur, wenigſtens ver⸗ hältnißmäßig mehr; die beſten Geiſter ſind da nur ein Refler der Geſammtheit, ein künſtliches Produkt


