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Dichterleben aus unserer Zeit : Novelle / von Jean Charles
Entstehung
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natürlicher Factoren, ein Maßſtab für die Allgemein⸗ heit, während man in Deutſchland ſehr irren würde, das Volk nach ſeinen geiſtigen Repräſentanten zu be⸗ urtheilen. Man beſuche nur die Heimath unſrer Genies, um ſich davon zu überzeugen, daß ſie wie Qaſen in einer Wüſte gegrünt und geblüht haben; die Menſchen, über die ſie den herrlichen Nimbus des Geiſtes, den Aether freier Weltanſchauung ausgegoſſen und ausge⸗ ſpannt, gehen noch, halbe Barbaren, ſo zu ſagen in Bärenfellen einher; die Tempel und coloſſalen Denk⸗ male der Ideen dieſer Männer ſtehen, wie die Antiken Rom's, zwiſchen armſeligen Hütten, womit ſich deutſche Spießbürgerlichkeit begnügt. Mit einem Worte, der Deutſche verſteht es nicht, wie der Franzoſe, den Geiſt zu verkörpern. Darum bleibt bei uns die Kunſt Außending und geht mur theilweiſe in's Blut über.

Julie hatte ihn während dieſer Rede nicht aus dem Auge gelaſſen und eine ſeltſame Erregung ſpiegelte ſich in ihrem Antlitze ab. Sie verſetzte:

Daß es der deutſche Geiſt vermag, ſich ſelbſt ſo ſtreng zu beurtheilen, adelt ihn und erhebt ihn über die Selbſtſucht des franzöſiſchen.

Selbſtſucht? nahm er wieder das Wort: Menſch⸗ liches Selbſigefühl iſt nie ganz frei von Egvism