Druckschrift 
Dichterleben aus unserer Zeit : Novelle / von Jean Charles
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

der Gegenwart um die Leichenhügel der Vergangenheit ein Tänzchen zu eröffnen.

Dieſer Bote ſteht vor ſeiner Thüre und klopft an. Carl ruft, ohne aufzublicken: Herein!

Und hereintritt ein junger Mann von elegantem Ausſehen aber niedergeſchlagenem Weſen. Er iſt un⸗ gefähr ein Jahr älter als unſer Freund und der Sohn eines bedeutenden Beamten dieſer Reſidenz.

Carl hat den Eintretenden im Spiegel erblickt und wendet ſich, die Feder weglegend, zu ihm mit dem Gruße:

Guten Morgen, lieber Franz! Warum ſo traurig?

Noch immer nichts beſſer, entgegnet dieſer, in⸗ dem er ſich ſetzt: mein Vater will von keiner Ausſöhung hören; er hat mir den Brief, den ich nach Deinem Rathe an ihn gerichtet, kalt und abweiſend beantwor⸗ tet und mir geradezu herausgeſagt, daß an eine Be⸗ ſänftigung meiner jungen Stiefmutter nicht zu denken ſei, die ich zu ſchwer gekränkt haben ſoll.

Armer Franz! Wie lange iſt er nun mit ihr verehlicht?

Drei Jahre.

Und wie lange iſt es her, daß Du aus dem Hauſe mußteſt?

Faſt ein Jahr.