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Dichterleben aus unserer Zeit : Novelle / von Jean Charles
Entstehung
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für ihn, ja mebr als er in einem Menſchenalter ver⸗ arbeiten könnte. Sein Plan für das ganze Leben iſt fertig. Er fühlt ſich zum Dichter berufen und will es ausſchließend ſein, unabhängig von aller Convenienz, ungehemmt durch eine Anſtellung oder ſonſtige Ver⸗ pflichtung; er will im Roſenſtrauche ſeiner jungen Leiden bluten als Nachtigall und wie dieſe ſingen durch die Frühlingsnacht ſeines Daſeins. Mit Wonne ſtürzt er ſich offenen Herzens in die Dornen und ſchreibt mit ſeinem Blute von den Tagen früherer Seligkeit und früheren Jammers. Singt er von Liebe, ſo hat jedes Lied den Refrain: Du haſt geliebt; die Sehnſucht und der Kummer Der Seele ſagen noch, wie ſehr;

Du biſt erwacht vom Schlummer, Und nun nicht mehr!

So iſt er innerlich und äußerlich geſtaltet und ſo ſitzt er heute an ſeinem Pulte, einem Gedichte hinge⸗ geben, ſich mit den Weſen beſchäftigend, die ihm die Phantaſie gebar und die Welt um ſich her ver⸗ geſſend.

Dieſe aber hatte ſeiner nicht vergeſſen und ſendet eben einen Boten an ihn ab mit der Frage, ob es ihm nicht gefällig wäre, alle erlebten Freuden und Leiden noch einmal durchzumachen und mit den Horen