222
ſo haſt Du ſie hineingeſezt; und ich erkläre Dir noch einmal, ich dulde keine Dummheiten, und wenn Du Geheimniſſe vor dem Mann haben willſt, den Du zu heirathen gedenkſt, ſo wäre es beſſer, Du nähmeſt einen Andern und hätteſt Geheimniſſe vor ihm, denn vor mir ſollſt Du das nicht thun, verſtehſt Du.““
„Darauf beginnt ſie ein bischen zu wimmern, aber ich nehme keine Notiz davon, ſondern fange an, ſie über Mylady zu befragen. Ich hatte den Brief mit dem Bleiſtiftkreuz in meiner Taſche und wünſchte zu erfahren, wie ich denſelben überliefern könnte.“
„Vielleicht können andere Leute ebenſo gut, wie Du, ein Geheimniß bewahren, ſagte ich, und vielleicht können andere Leute ſich eben ſo gute Freunde machen, wie Du. Da kam ein Gentleman geſtern hieher, um Deine Lady zu ſehen, nicht wahr? ein hochgewach⸗ ſener junger Gentleman mit einem braunen Bart?“
„Anſtatt mir wie ein Chriſtenmenſch zu antworten, bricht meine Baſe Phöbe in Thränen aus, und ringt die Hände und thut ganz erſchrecklich, bis ich ganz verblüfft bin und kaum weiß, wie ich entdecken kann, was ſie hat.“
„Aber allmälig brachte ich es aus ihr heraus, denn ich duldete keine Dummheiten; und ſie erzählte mir, ſie ſei an der Arbeit geſeſſen vor dem Fenſter ihres kleinen Zimmers, oben im Hauſe, gerade in einem der Giebel, von wo man die Ausſicht über die Lindenallee und das Gebüſch und den Brunnen hat. und da habe ſie geſehen, wie Mylady mit einem fremden Gentleman auf und abgegangen, und das habe lange Zeit gedauert, bis ſie endlich—“ „Halt!“ rief Robert,„das Uebrige weiß ich.“ „Nun, Phöbe erzählte mir Alles, was ſie ge⸗


