Teil eines Werkes 
3. Bd. (1863)
Entstehung
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war. Sie war nicht mehr unſchuldig, und die Freude, welche wir über Kunſt und Reiz empfinden, hatte ſich, da ſie eine unſchuldige Freude iſt, ihrem Bereich entzogen. Sechs oder ſieben Jahre früher wäre ſie im Beſize von dieſem kleinen Aladins⸗Pa⸗ laſt glücklich geweſen; aber ſie hatte den Kreis ſorg⸗ loſer, Vergnügen ſuchender Geſchöpfe überſchritten, ſie hatte ſich in ein trauriges Labyrinth von Schuld und Verrath, Entſezen und Frevel verirrt, und alle die Schäze, welche für ſie geſammelt worden waren, hätten ihr nur eine Freude gewähren können, näm⸗ lich die Freude, ſie in ihrer grauſamen Verzweif⸗ lung fammt und ſonders auf den Boden zu ſchleu⸗ dern, mit ihren Füßen darauf herumzutreten und ſie völlig zu vernichten.

Etwas gab es, was ihr eine ſchreckliche Freude eingeflößt, einen ſchauerlichen Genuß verſchafft hätte. Wäre Robert Audley, ihr unbarmherziger Feind, ihr unabläßiger Verfolger todt in dem anſtoßenden Ge⸗ mach gelegen, ſie würde über ſeinem Sarge in Froh⸗ locken ausgebrochen ſein.

Was für Freuden konnten Lukretia Borgia und Katharina von Medici geblieben ſein, als die ſchreck⸗ liche Grenzmarke zwiſchen Unſchuld und Frevel über⸗ ſprungen war, und die verlorenen Geſchöpfe nun einſam draußen ſtanden? Nur ſchreckliche Genüſſe der Rachgier und Entzückungen des Verraths waren für dieſe elenden Weiber noch zu haben. Mit wel⸗ cher geringſchäzigen Bitterkeit mußten ſie auf die frivolen Eitelkeiten, die geringfügigen Betrügereien, die armſeligen Sünden gemeiner Miſſethäter ſchauen. Vielleicht ſchöpften ſie einen ſchrecklichen Stolz aus