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ſagte ſie.„Gewöhnlich iſt es ein Fremder, welcher zuerſt eine pſychologiſche Beſonderheit entdeckt.“
Dieſe gewichtigen Worte erklangen ziemlich ſelt⸗ ſam auf Mylady's roſigen Lippen; aber ihre neu⸗ angenommene Weisheit hatte etwas wunderlich Hüb⸗ ſches an ſich, das den Geiſt ihres Gatten verwirrte. Nein, nein, mein Herzgeliebter, Sie dürfen nicht nach Mount Stanning,“ ſprach ſie zärtlich.„Be⸗ denken Sie, daß Sie ſtrengen Befehl haben, ehe das Wetter milder wird, das Haus nicht zu verlaſſen, und troz des Sonnenſcheins iſt der Boden noch hart gefroren.“
Sir Michael ſank mit einem Seufzer der Erge⸗ bung in ſeinen geräumigen Lehnſeſſel zurück.
„Das iſt wahr, Lucy,“ ſagte er;„wir müſſen Mr. Dawſon gehorchen. Ich denke, Robert wird mich morgen beſuchen.“
„Gewiß, mein Theurer, ich denke auch.“
„Dann wollen wir bis morgen warten, mein Liebling. Ich kann nicht glauben, daß wirklich bei dem armen Knaben Etwas nicht richtig iſt— ich kann es nicht glauben, Lucy.“
„Aber wie ſich dann ſeine außerordentliche Illu⸗ ſion über dieſen Mr. Talboys erklären?“ fragte Mylady.
Sir Michael ſchüttelte den Kopf.
„Ich weiß nicht, Lucy— ich weiß nicht,“ ant⸗ wortete er.„Es hält immer ſo ſchwer zu glauben, daß einer der Unglücksfälle, wovon unſere Mitmen⸗ ſchen beſtändig betroffen werden, auch uns jemals widerfahren könne. Ich kann nicht glauben, daß meines Reffen Geiſt geſtört iſt— ich kann es nicht


