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„Warum ſollte er nicht wahnſinnig ſein?“ nahm Mylady wieder das Wort.„Die Leute ſind oft irre im Geiſte, Jahr und Tag, ehe man ihrem Irr⸗ ſinn auf die Spur kommt. Sie wiſſen, daß ſie wahn⸗ ſinnig ſind, aber ſie wiſſen dieſes Geheimniß auch zu bewahren; und vielleicht gingt es ihnen, daſſelbe bis zu ihrem Tode zu bewahren. Manchmal befällt ſie ein Paroxismus, und dann verrathen ſie ſich, ſie begehen vielleicht ein Verbrechen. Die ſchreck⸗ liche Verſuchung der Gelegenheit kommt über ſie, das Meſſer iſt in ihrer Hand, und das Nichts ah⸗ nende Opfer an ihrer Seite. Sie mögen den raſt⸗ loſen Dämon überwinden und davon kommen und unſchuldig an jeder Gewaltthat ſterben; aber ſie mö⸗ gen auch der ſchrecklichen Verſuchung unterliegen— der kalten, leidenſchaftlichen Gier nach Gewalt und Greuel. Sie unterliegen manchmal und ſind ver⸗ loren.“
Lady Audley's Stimme hob ſich, als ſie dieſe furchtbare Frage erörterte. Die hyſteriſche Aufre⸗ gung, von welcher ſie ſich ſo eben erholt hatte, war nicht ohne Einfluß auf ſie geblieben, aber ſie be⸗ herrſchte ſich, und ihr Ton wurde ruhiger, als ſie wieder das Wort nahm:—
„Robert Audley iſt wahnſinnig,“ ſagte ſie ent⸗ ſchieden.„Was iſt eines der ſtärkſten Symptome von Wahnſinn— was iſt das erſte erſchreckende Zeichen des Irrſeins? Der Geiſt ſteht ſtill, das Ge⸗ hirn ſtagnirt, die gleichmäßige Strömung des Geiſtes wird unterbrochen, die Denkkraft des Gehirns löst ſich in eine Monotonie auf. Wie die Gewäſſer eines Weihers, der keinen Zu⸗ und Abfluß hat, durch das


