Teil eines Werkes 
2. Bd. (1863)
Entstehung
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Man macht gewöhnlich aus ſolchen Dingen ein Geheimniß, ſagte Mylady ernſt.Es kann der Wahnſinn in Ihrer Schwägerin Familie zu Hauſe geweſen ſein.

Ich glaube nicht, meine Liebe, erwiederte Sir Michael.Aber, Lucy, ſage mir um's Himmels willen, wie haſt Du Dir dieſen Gedanken in den Kopf geſezt?

Ich habe nur verſucht, mir Ihres Neffen Be⸗ nehmen zu erklären. Hätten Sie gehört, was er heute Abend mir geſagt hat, Sir Michael, Sie würden ihn gleichfalls für wahnſinnig gehalten haben.

Und was hat er denn geſagt, Lucy?

Ich kann es Ihnen kaum wiederholen. Sie ſehen, wie ſehr er mich verwirrt und außer Faſſung gebracht hat. Ich glaube, er hat allzu lang in jenem einſiedleriſchen Tempel gelebt. Vielleicht liest er zu viel, oder raucht zu viel. Sie wiſſen, daß manche Aerzte den Wahnſinn für ein bloßes Gehirn⸗ leiden erklären eine Krankheit, welcher Jedermann ausgeſezt iſt, und welche durch gegebene Gründe er⸗ zeugt und durch gegebene Mittel curirt werden kann.

Lady Audley's Augen waren noch immer auf die glühenden Kohlen auf dem großen Roſte geheftet. Sie äußerte ſich, als ob ſie einen Gegenſtand be⸗ ſpräche, den ſie ſchon oft verhandeln gehört hatte. Sie äußerte ſich, als ob ihr Geiſt von dem Gedanken an den Neffen ihres Gatten ganz abgekommen wäre und ſich nur mit der umfaſſenderen Frage des Wahn⸗ in in abstracto*) befaßte.

*) An Sie, für ſich betrachtet.