Teil eines Werkes 
1. Bd. (1863)
Entstehung
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hatte und ihr in den Weg kam. Sie ſträubte ſich

mit finſterer Entſchloſſenheit gegen jede vertrauliche Annäherung zwiſchen ihr und des Baronets junger Frau; und ſo liebenswürdig die Lady war, ſo fand ſie doch ganz unmöglich, Miß Alicia's Vorurtheile und Mißfallen zu überwinden, oder das verzogene Mäd⸗ chen zu überzeugen, daß ſie ihr durch die Heirath

mit Sir Michael Audley kein ſo grauſames Unrecht

angethan hatte.

Die Wahrheit war, daß Lady Audley, als ſie Sir Michaels Gattin wurde, eine jener ſcheinbar vor⸗ theilhaften Partieen gemacht hatte, welche einer Frau den Neid und Haß ihres Geſchlechts e ge⸗ eignet ſind. Sie war in die Nachbarſchaft als Gou⸗ vernante in die Familie eines Wundarztes in dem Dorfe bei Audley Court gekommen. Niemand wußte Etwas von ihr, als daß ſie in Folge einer Anzeige, welche Mr. Dawſon, der Wundarzt, in die Times hatte einrücken laſſen, eingetroffen war. Sie kam von London, und hatte ſich wegen näherer Auskunft einzig auf eine Dame an einer Schule zu Brompton, wo ſie einmal Lehrerin geweſen war, bezogen. Aber die erfolgte Auskunft war ſo befriedigender Art, daß eine andere nicht nöthig erſchien, und Miß Lucy Gra⸗ ham wurde von dem Wundarzt als Lehrerin ſeiner Töch⸗ ter angenommen. Ihre Kenntniſſe waren ſo glän⸗ zend und mannigfach, daß es nur auffallen mußte, wie ſie auf ein Inſerat, welches eine ſo mäßige Be⸗ lohnung in Ausſicht ſtellte, wie diejenige, wozu ſich Mr. Dawſon anheiſchig machte, eingegangen war; aber Miß Graham ſchien mit ihrer Lage vollkommen zufrieden, und ſie lehrte die Mädchen Sonaten von