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Schilderungen aus der Wirklichkeit / von Louise Brachmann
Entstehung
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Fraͤfte meiner Jugend ſind ſeitdem gebrochen, und meine Sehnſucht eilt dem Grabe zu.

Mitleidig blickten die Bruͤder den ungluͤck⸗ lichen Triſtan und den armen Paulet an, die beide noch im Jünglingsalter, doch an des Le⸗ bens todter Grenze ſtanden.

Jünglinge, ich ehre eure Trauer, ſagte ein ehrwuͤrdiger alter Krieger, ſie gilt den heiligſten Gefuͤhlen der Ratur. Mir ruft ſie ein wehmuͤ⸗ thiges Bild zuruͤck, das zwar dem Scheine nach entfernter, doch mir nicht minder unausloͤſchlich iſt; ſcht dieſe Thraͤne, die noch heut meinem Aug' entfaͤllt, wenn ich von dieſem Gegenſtand ſpreche; ſie iſt dem Andenken eines edeln, unver⸗ geßlichen Generals geweiht, den ich fallen ſah, ein Opfer ſeiner weichen Menſchlichkeit.

Ein großer Feldherr war kurz vor der Be⸗ gebenheit, die ich euch erzaͤhlen will, mit Schmach bedeckt worden, weil er ſich dem Feind ergeben hatte, wiewohl nicht ohne hartnaͤckigen Widerſtand.

Wir waren eingeſchloſſen, eine kleine Schaar; ein ungluͤcklicher Zufall, nicht die Schuld unſers Anfuͤhrers, hatte uns in die Ge⸗ walt des erbitterten Feindes gegeben, der uns vier Mal ſtaͤrker umringte; keine Moͤglichkeit uns durchzuſchlagen, ohne dem Tode in die Arme zu