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Schilderungen aus der Wirklichkeit / von Louise Brachmann
Entstehung
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die ihn um Huͤlfe bat; er ſtuͤrzte zuruͤck in das Mordgrfecht; er rettete mich.

Aber heißer und hartnaͤckiger ward der Kampf; ein Entſatz vom Heere kam uns zu Huͤlfe; die Feinde verdoppelten ſich; wir kaͤmpf⸗ ten bis tief in die Nacht; der Halbmond im Zu⸗ nehmen ging eben ſo truͤb und röthlich unter, als jetzt der abnehmende dort hinter die Erde ſinkt; an ſeinem Strahl, wie er ihn noch ein Mal mitleidig zuruͤck warf, ſah ich zum letzten Male den Freund, an dem die Freude meines Le⸗ bens hing.

Er hatte dicht an meiner Seite gekaͤmpft; die letzte zuruͤckgelaſſene Helle des Mondes ſchwand jetzt nach und nach; die tiefſte, ſchwär⸗ zeſte Nacht brach ein, und wir waren genöthigt, von dem erbitterten Geſecht zu ruhen, weil Freund nicht mehr Freund unterſcheiden konn⸗ te. Es war eine graunvolle fuͤrchterliche Nacht; wir mußten auf dem Platze ſtehen blei⸗ ben, wo wir im fechtenden Gedraͤng geſtanden hatten, denn Felſen und Suͤmpfe drohten uns bei jedem Schritte, ob ſich gleich das Thal er⸗

weitert hatte; zu meinen Fuͤßen wand ſich ein

Bach durch Felſenſtüͤcke, und gab mir durch ſein trauriges Geraͤuſch eine Art ven Begleitung zu meinen truͤben Vorgefuͤhlen.