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Schilderungen aus der Wirklichkeit / von Louise Brachmann
Entstehung
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Ach umſonſt! das Reich der Schatten Giebt ſein Opfer nie zuruͤck. Still nun weiht dem todten Gatten, Sie des Schmerzes letzten Blick.

Im Witwen⸗Schleier, in des Grams Gewande, Erblickt Ihr nun die hertliche Geſtalt; Sie folgt dem Sarg zum fernen Vaterlande, Wohin der Wunſch des Sterbenden gewallt.

Zu ruhen dort hat er ſich ſtets geſehnet; Die letzte Pflicht erfuͤlt ſie fromm und treu, Sie laͤchelt fanft, verklart, und unbethränet Ihr ſchones Aug', ſie ſcheint vom Ird'ſchen frei;

Doch als ſie nun vertraut die theuren Glieder Auf Heimath sgrund dem ſichern dunkeln Haus, Da ſinkt ſie ſtill bei dem Geliebten nieder,

Und ſchlaͤft die Laſt des ſchweren Lebens aus.

Dreue Seele! ſagte Floreſtan mit einem tiefen Seufzer. Ja freilich. Brüder, gluͤck⸗ lich der, dem ſolch ein Weib zu ei wird!

Ja wohl! fuͤgte Collin hinzu, ſie ver⸗ wiſcht den Schatten wieder, den Julie auf ihr Geſchlecht geworfen hat. Aber was fehlt dem armen Pau⸗ let? fragten Einige; er ſitzt ſo tranrig, abwaͤrts vom Feuer, den Kopf in die Hand geſtuͤtzt. Bruder, nimmſt Du gar nicht an unſter Unter⸗ haltung Theil?

Paulet hob das Haupt empor; der Schein 16