Mein Vater iſt ein reicher Kaufmann zu La Rochelle. Aus der Sorgfalt, mit der er mich erziehen ließ, haͤtte man ſchlieſſen ſollen, daß ich ihm das Theuerſte auf der Welt ſei. Ich war noch nicht zwoͤlf Jahr alt, ſo bewunderte man ſchon allgemein die Fortſchritte, welche ich im Zeichnen und auf dem Fortepiano gemacht hatte. Bei jedem Liebhaberkonzert war ich die 1 Hauptzierde. Ich hatte eine ſchoͤne Stimme, ſang mit Geſchmak, ſprach das Italieniſche und Engliſche aͤußerſt richtig, und war in allen Ge⸗ ſellſchaften, in die mich meine Mutter fuͤhrte, geſucht und bewundert. Ach! zu meinem ungläk . verlor ich dieſe gute Mutter, als ich ihres Ra⸗ thes und ihrer Leitung am meiſten bedurfte.
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Ich war die einzige Tochter vom Hauſe, und die Sorge, welche mein Vater auf die Vermeh⸗ rung ſeines unermeßlichen Vermoͤgens wendete, raubte ihm den gröſten Theil ſeiner Zeit. Mit dem Brautſchaz, welchen er mir ausſezte, haͤtt' ich einen angebeteten Gemahl, wenn er dir aͤhn⸗ lich geweſen waͤre, bereichern köͤnnen. Ich fühl⸗
te damals noch keine Vorliebe fur irgend einen Mann, mein Herz und meine Sinnlichkeit wa⸗ ren noch nicht erwacht; aber ich grenzte an das 1 Aller, wo die Natur ihre Stimme erhebt, wo das Beduͤrfniß zu Rieben, allen Gegenſtänden, die uns umgeben, eine friſchere Farbe leiht.


