308
Beklemmung nicht an Orleans zuroͤkdenken. Zerſtreuung wurde mir Beduͤrfniß, und daran fehlt es in Paris niemals. Täglich gieng ich ins Theater, ſtudierte ſelbſt einige Rollen, und ſpielte ſie auf dem Zimmer der Mutter Loke zu ihrer nicht geringen Zufriedenheit. Dennoch rieth ſie mir, anfaͤnglich im Luſtſpiel aufzutre⸗ ten, aber das konnt'ich darum nicht, weil man mich in der buͤrgerlichen Kleidung leicht hätte entdeken und aufheben koͤnnen. Dieſe Furcht war mein beſtaͤndiger Begleiter. Wenn ich auf der Straße die Schaarwache nur von weitem kommen ſah, macht' ich ſchnell einen Umweg, um ihr nicht in die Haͤnde zu gerathen; ſo groß aber auch meine Angſt war, ſo quälte mich die innere Stimme meines Gewiſſens doch noch weit heftiger. Oefters waͤhnt' ich den ungluk⸗ lichen Sinval bleich und entſtellt vor mir zu ſe⸗ hen, und glaubte Vorwuͤrfe uͤber mein Ver⸗ brechen aus ſeinem Munde zu vernehmen. Wel⸗ che fuͤrchterliche Naͤchte haͤtt' ich ohne dich zuge⸗ bracht, meine liebenswuͤrdige Fanchon! Dieſe Angſt, dieſes ploͤzliche Zuſammenfahren war dir immer ein Räthſel, und wenn ich dich vom Schlaf aufgeſchrekt hatte, ſo lieſſeſt du gutmaͤ⸗ thig jede Entſchuldigung gelten, ſie mochte auch noch ſo wenig Wahrſcheinlichkeit haben. Wo du jezt auch ſeyn magſt, gute Seele, wenn dir dieſe Bläͤtter zu Geſichte kommen, ſo lächle freund⸗
——


