Teil eines Werkes 
2. Th. (1820)
Entstehung
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ſten Kuſſe, und ihr Erröthen erinnerte Camillen, daß ihre Tochter von ihrer Schuld nichts wiſſen

ſolte. Nicht ohne Leidweſen trennten ſie ſich.

Frau Saint⸗Lambert begleitete Adelen und ihren Fuͤhrer bis zur Heerſtraße, und auf derſelben folgte ihr geruͤhrter Blick ihrer Tochter, bis ſie dieſelbe ganz aus den Augen verloren hatte; dann kehrte ſie heim in ihre Einſiedelei, und ging hier wieder, als Frau Haller, an 6 Beſchäf⸗ tigungen.

Der lebhafte guh welchen Adelens un⸗ verhoffter Beſuch auf ihr Gemuͤth gemacht, ſpannte ihre Einbildungskraft und wiegte in der ſuͤßeſten Hoffnung ſie ein. Wiedererſcheinen ſollte ſie in der Welt, wo die Zeit und ihre ſtrenge Abgeſchiedenheit vielleicht den Abſcheu beſchwich⸗ tigt hatten, den ſie daſelbſt erregt. Sie hoffte nicht zu ihrem Gatten zuruͤckzukehren, wohl aber denſelben bei ihrer Tochter gradweiſe daran zu gewöhnen, daß er ihre Gegenwart ertruͤge. In ihrem Eidam verſah ſie ſich eines eifrigen Ver⸗ theidigers, in ſeiner achtbaren Familie eines ſchuͤz⸗ zenden Anhaltes. Alle Tage wuͤrde ſie ihre tiebe