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welche die zaͤrtlichſte Freundfchaft fuͤr Adele hegte, und einen Sohn von fuͤnf und zwanzig Jahren, der ſich nicht unempfindlich fuͤr den Reiz und die ſelte⸗ nen Eigenſchaften des Fraͤuleins Saint⸗Lambert bewies. Sie auch ſchien ſeine Huldigungen mit An⸗ theil aufzunehmen; ihre Freundin errieth ihr gehei⸗ mes Gefuͤhl, und fuͤhrte die Sache ihres Bruders ſo geſchickt, daß die Heurath von beiden Familien beſchloſſen wurde.
Fuͤr beide gegenſeitig war ſie vortheilhaft, allen geſellſchaftlichen Beziehungen nach durchaus angemeſſen, und zu Montgeron, wo die Fami⸗ lie Montmartel eine der ſchoͤnſten Beſitzungen be⸗ ſaß, wurde ſie unwiderruflich beſchloſſen. Adele kam auf den Einfall ihrer Mutter, welche nur eine Stunde Weges von ihr entfernt war, und die ſie ſeit ſieben Jahren nicht geſehn hatte, ſelbſt davon Nachricht zu geben. Es war zur Zeit der längſten Tage des Jahres, die Heiterkeit des
Himmels ſchien in Uebereinſtimmung mit des
Mädchens Gemuͤth. Sie zog den guten, getreuen Germain in's Geheimniß, der noch immer in ih⸗
res Vaters Dienſten ſtand, und benachrichtigte


