Teil eines Werkes 
2. Th. (1820)
Entstehung
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mit hohler Stimme rief: Alſo dahin hat mich ein einziger Fehltritt gebracht!

Seit einigen Tagen trug ſie mit mehr Kraft die niederbeugende Laſt ihrer Leiden; da uͤbere brachte man ihr einen Brief mit dem Stempel von Mons. Sie erkannte die Handſchrift ihres Va⸗ ters; er ſchrieb ihr zum erſten Mal ſeit ihrer Tren⸗ nung von Saint⸗Lambert, mit Ehrfurcht kußte ſie die heiligen Schriftzuͤge, noch bevor ſie den Brief eroffnete, druckte ihn an ihr Herz und rief mit convulſiviſcher Wonne: emein Vater vergiebt mir, mein Jammer hat ſein Herz erweicht! o, wie ſo Noth that mir dieſer Balſam des Troſtes, die⸗ ſer väterliche Beiſtand!5

Sie las mit Muͤhe durch die Freudenthraͤnen, welche aus ihren Augen ſtrömten, den Inhaltz aber welch ein neuer Schlag traf ihr ſchon ſo ſchrecklich wundes Gemuͤth, und wie ſollte ſie das wunderbar furchtbare Schickſal ertragen! Der theure, etwuͤnſchte Brief enthielt folgende Worte:

cIch ſterbe von der Hand Deines Verfuͤh⸗ rers. Ich habe den Tod geſucht, um mich der Schmach zu entziehn, womit Du meine grauen