Teil eines Werkes 
2. Th. (1820)
Entstehung
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im ſechs und dreißigſten Jahre; Ueberbleibſel ehe⸗ maliger Schoͤnheit ſah man noch hie und da auf ihrem ausdrucksvollen Geſicht; ihr zierlicher Bau

bewegte ſich mit uͤberraſchender Gewandheit, in

auffallenden Stellungen, die viel Welt verriethen und viel Verfuͤhreriſches hatten. Die Friſche der Jugendſchönheit war von ihr gewichen, doch ſie erſetzte dieſelbe durch Wuͤrde der Haltung, durch eine uͤberlegne Hofmanier, und durch einen ſo

glaͤnzenden Strom der Rede, daß es unmoöglich war ſich nicht davon hingeriſſen zu fuͤhlen. Auf die Art und Weiſe eines Jeglichen wußte ſie ein⸗ zugehn, eines Jeglichen Gunſt zu gewinnen: ein feiner, ſcharfer Tact gab ihr ein, ob ſie weitlaͤu⸗ fig, lakoniſch, luſtig oder empfindſam, ſatyriſch oder duld am ſich zeigen ſollte; mit einem Blick hatte ſie das Maaß der Gemuͤthsart, der Neigung, ſogar die Meinungen weg, ſo wie ihr Jemand in der Welt begegnete, und als ein unbegreiflicher PYroteus ſchmeichelte ſie dieſem, imponirte jenem lockte den Einen durch den Zauber der Verfuh⸗ rung, feſſelte durch Dankbarkeit den Andern, und hatte durch ein ſo gewandtes Spiel ſich ein Heer