Teil eines Werkes 
1. Th. (1820)
Entstehung
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erſchien ein Armband von Haaren, das auch Ka⸗ rolinen in die Augen fiel. Ein tödlicher Froſt durchſchauerte ihre Sinne: vielleicht hat ihr Auge ſie getaͤuſcht; ſie ſieht wieder hin, ſieht deutlich um Leos nervigen Arm eine breite Haarflechte gewunden, von dunkelbraunem Haar, mit ei⸗ nem ſtarken goldnen Schloß, das eine Inſchrift tragt.„Wer hat ihm, ſpricht ſie außer ſich, bei

ſich ſelbſt, wer hat ihm dies Liebespfand gegeben? Von mir erhielt er's nicht, auch nichts ähnliches jemals. Dazu bin ich blond, und jenes Haar des Armbandes iſt dunkelbraun, faſt ſchwarz.— Leo, lieber Leo, haͤtteſt Du mich getaͤuſcht?— Aber, fahrt ſie fort, indem ſie ſich zu beruhigen und ih⸗ re Beſtuͤrzung zu verbergen ſucht; er iſt ja ſeit ſeiner Ruͤckkehr ſo liebevoll, ſein Herz ergießt ſich gegen mich mit derſelben Hingebung und Offen⸗ heit, wie ehemals; er iſt faſt ſtolz, daß unſer Wohlſtand von mir herruͤhrt; ſeine Dankbarkeit graͤnzt an Begeiſterung, ſeine Liebe an Abgötterei. — Allein er iſt ſo herrlich, uͤberall ſo geſucht Er ſieht ſoviel liſtige, verfuͤhreriſche Frauen. Leo, tieber Leo! hätteſt Du mich denn getäuſcht?“—