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anders: wenn wir uns nicht zufällig, oder Abends im Schauſpiel, oder in irgend einer Geſellſchaft
treffen, ſehen wir uns nicht mehr.“ Bei dieſen
Worten ſeufzte ſie unwillkuͤhrlich, doch nicht von
Albertinen unbemerkt. Die Unterhaltung wurde
allgemein, ſchleppend, verlegen; nach den gewohn⸗ lichen Hoͤflichkeitsbezeugungen und Freundſchafts⸗ verſicherungen ſtiegen die Neuvermählten wieder in ihren Wagen und Albertine ſchrieb in ihre
Schreibtafel:„nicht ein einziges gluͤckliches Jahr;
vorweggenommene Scheidung, klaͤgliches, war⸗ nendes Beiſpiel!“
Nach mehrern unbedeutenden Beſuchen, von denen nichts zu ſagen iſt, fuhren Herr und Frau von Meneval nach der Straße du Temple zu nem jungen Rath des koniglichen Gerichtshofes, einem Schulfreunde und Verwandten Achills. Er hatte vor einigen Jahren eine ſehr junge Waiſe geheurathet, deren Erziehung er, einiger⸗ maßen nothgedrungen, vollendet hatte. Unter harten, ſtrengen Aeltern in der Kindheit erwachſen, war eine unuͤberwindliche Schuͤchternheit ihr eigen. Wenn ihr Gemahl ſie zuweilen hwang in Geſell⸗


