Teil eines Werkes 
[1. Theil] (1812)
Einzelbild herunterladen

S

5

Sehr ermuͤdet ſchlug ſie ihre Augen auf. Die gute Emora ſaß bereits eine Stunde an ihrer Seite, und hatte ihr mehrmals ſanft den Schweiß von der Stirne getrocknet: ſie umarmt ihre Tochter, ihre blaſſe Geſichtsfarbe und ihre verblichenen Lippen erweckten ihre ganze Zaͤrt⸗ lichkeit fuͤr ſie. Sie forſcht nach der Urſache ihrer Leiden, um den Beiſtand des alten Bra⸗ minen, des einzigen von dem ganzen Stamme, welcher in den goͤttlichen Geheimniſſen der Heil kunde eingeweiht war, erflehen zu koͤnnen. Stellina haͤlt ſie zuruͤck und ſucht ihren gefaͤlli⸗ gen Eifer zu unterbrechen.

Ich bin nicht krank, nur traurig, meine Liebe; und hier iſt die Huͤlfe des Braminen unwirkſam.

Emora dringt bald durch Vorwuͤrfe, bald durch Bitten in ſie, um die Quelle dieſer Betruͤbniß zu entdecken. Das Maͤdchen hinge⸗ gen verſchloſſen, wie am Vorabende, antwortet nur durch Thraͤnen:Emora, quaͤlt mich nicht laͤnger, ſagte ſie. Koͤnnt ihr mich undankbar nennen? Habe ich nicht bisher alle meine Lei⸗ den in euern Buſen ausgeſchuͤttet? Wenn ich aber itzt ſchweigen muß: ſo koͤnnt ihr mir es