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161 fällt mir wie Schuppen von den Augen. Wie kommen Sie aber zu dieſer richtigen Anſicht der Dinge?“
„Als Arzt lernt man Vieles.“
„Sie ſind ein Prachtmann! Wir müſſen Freunde wer⸗ den. Vielleicht kann ich Ihnen einmal einen Gegendienſt leiſten.“
„Einſtweilen habe ich Ihnen nur den Rath gegeben, den Dienſt leiſten Sie ſich nun ſelbſt. Wollen Sie mir aber etwas Angenehmes erweiſen, ſo erzählen Sie mir etwas von Ihrem Lebensgang. Sie intereſſiren mich; und ich möchte mir gerne ein ganzes Bild von Ihnen entwerfen, mir vorſtellen, wie Sie zu Dem geworden ſind, was Sie ſind.“
Er ſtreckte ſich ein wenig und ſah mich mit einem ſelbſtzufriedenen Seitenblicke an.
„Ich bin ein Mann und kann mir mein Brot verdie⸗ nen, das iſt mein größter Stolz, Herr Doctor.“
„Ganz recht, lieber Freund; aber auf das Wie kommt doch auch noch etwas an.“
„Meinen Sie das perſönlich?“ fragte er empfindlich.
„Durchaus nicht; denn ich kenne ja die Zweige Ihrer Betriebſamkeit nicht.“
„Ich bin ein Pädagoge.“
„Sie ſcherzen!“
Er lachte laut.
„Ja, freilich nicht im Sinne der deutſchen Pädagogik, die die Knaben ſo überfüttert, daß ſie verdummen. Ich bin ein Mann des Lebens und bilde für das Leben.“
II. 11


