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Johanna ſuchte ihr Arbeitskörbchen und nahm neben mir Platz. Ich begann meine Lectüre.
„Ihr Wunſch, daß ich Ihnen nach meiner Ankunft hier ein Lebenszeichen zukommen laſſen möchte, war ſo aufrichtig gemeint, daß ich nicht umhin kann Ihnen zu
willfahren. Sie haben ſich ſo menſchlich gütig gegen mich bewieſen, mir in den ſchwerſten Augenblicken meines
Lebens, wo der innere Jammer mit Folterqualen an mir
nagte, und das Brandmahl, das der Spruch des Richters
mir vor der Welt aufdrückte, jedes Auge mit Abſcheu von mir wandte, eine Theilnahme gezeigt, die der Strohhalm war, an dem meine geſcheiterten Hoffnungen ſich aufrich⸗ teten und mich vor Verzweiflung bewahrten. Ich gewann dadurch den Muth zum Dulden; denn ich war mir be— wußt, daß dieſes ſtoiſche Dulden Ihnen eine Art Achtung
für mich einflöße und es war mir eine Genugthuung
ſelbſt in meinem tiefſten Elend noch eine ſolche für mich erwecken zu können. Haben Sie Dank dafür!“
gen Stunden benutzt Ihnen eine Skizze meines Lebens zu entwerfen, die ich beifüge. Ich glaubte, es würde Sie intereſſiren, meine Vergangenheit zu kennen, um dieſe an die Gegenwart, ſo weit ſie Ihnen bekannt war, zu reihen, woraus dann erſt ein Bild des Ganzen erwächſt, das dem Pſychologen als eine Erfahrung dienen kann; und ſo ſchmerzlich mir auch die Wiederholung meines armen Le⸗ bens war, ſo ging ich doch muthig an das Werk, als das einzige Mittel, Ihnen, thätlich beweiſen zu können, wie
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