Teil eines Werkes 
1. Theil (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

eigenen Sprache Unterricht zu ertheilen. Mit zahlreichen Empfehlungsbriefen verſehen langte ſie hier an, miethete ſich bei einer engliſchen Familie ein, und trat ihren neuen Beruf an. Unter vielfachen Mühen, unter Noth und Sor⸗ gen aller Art gelang es ihr bei einigen Schulen angeſtellt zu werden, und ſo viel einzunehmen, daß der nothwen⸗ digſte Lebensunterhalt beſtritten werden konnte; aber mehr auch nicht. Die weiten Wege, ja Reiſen kann man wol ſagen, in jedem Wetter, Tag um Tag, wirkten nachtheilig auf ihre Geſundheit, und öfter ſchon hatte ſie die verderb⸗ lichen Folgen dieſer anſtrengenden Lebensweiſe verſpürt. Was aber dann beginnen, wenn ihre Kräfte nicht mehr zureichten? Was blieb ihr dann noch übrig, als dem Tode feſten Blickes in das Angeſicht zu ſchauen?

Sie gab mir dieſe Ueberſicht ihrer Verhältniſſe ohne ein Wanken der Stimme, ohne eine Thräne im Blicke, kalt, feſt, beſtimmt, wie Jemand, der mit ſich abgeſchloſſen hat. Keine nutzloſe Reue über ihre Vergangenheit, keine

Klage über ihre Gegenwart, kein Vorwurf gegen den ge⸗

wiſſenloſen Gatten entſchlüpfte ihrer Lippe. Sie bedauerte nur in dieſem Kampfe mit den Verhältniſſen die Schwä⸗ chere zu ſein, den Schwierigkeiten ihrer Lage mit nicht größerer körperlicher Stärke entgegentreten zu können. Es lag ihr nur daran, Arbeit zu finden, Arbeit, die ſie nähre, ſonſt ſuchte, wollte und wünſchte ſie nichts, ſei es an Hülfe, Theilnahme oder Zuſpruch; nur in dieſem Be⸗ zuge fühlte ſie ſich auf die Menſchen angewieſen. Es lag etwas Achtung Gebietendes in dieſem feſten Wollen einer