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in ſeinem goldgeſtickten Kleide, auf den Altar des Vater⸗ landes ſtieg und zum zweiten Male eine Conſtitution be⸗ ſchwor, welche ihn auf das Schaffot bringen ſollte. Das Volk ſah ihn heute zum letzten Male.
Tief betrübt kehrte Frau von Staöl von dieſem Feſte nach Hauſe zurück und konnte ſich lange nicht von dem Eindrucke erholen, welchen die arme königliche Familie auf ſie hervorgebracht hatte.
„Das kann nicht ſo fortgehen!“ rief ſie, die Hände ringend.„Man darf dies nicht dulden. Es iſt grauſam. Es iſt Menſchenmord.“
Aber keiner ihrer Freunde wollte auf ſie hören; keiner wollte ſich an eine ſchon verlorene Sache wagen.
„Sie gleichen denen, welche erſt Feuer an ein Haus legen und dann die Bewohner retten wollen,“s ſagte ihr Talleyrand lächelnd.
„Die Antwort iſt reizend,“ verſetzte Frau von Stasl; „leider aber iſt der Sache nichts dadurch gewonnen.“
Ihre Worte verhallten in dieſem allgemeinen Sturm. — Ihr guter Wille, zu helfen und zu retten, mußte ſich mit der Abſicht abfinden. Der Abend des 9. Auguſt brach herein. Die achtundvierzig Sturmglocken von Paris be⸗ gannen ihr düſteres, monotones Läuten, Frau von Staöl
* Allonville, Memviren.


