Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
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Indeſſen kam der Sommer 1792 heran, und mit ihm riß eine Verwirrung ein, welche den Aufenthalt in Paris gefährlich machte. Pethion und Marat begannen ihr Reich. Vor ihnen entfloh, wem es möglich war, den Boden Frankreichs zu verlaſſen, doch Frau von Staöl blieb. So wenig dieſe Fortſchritte der Revolution ihrem Sinne ent⸗ ſprachen, ſo konnte ſie ſich doch nicht von einem Schauplatze trennen, wo ſie in einer ewigen Spannung und Aufregung erhalten ward.

Das geſellige Leben verlor ſeinen Reiz, ſeit ein pöbel⸗ hafter Ton ſich geltend zu machen begann. Die öffentlichen Blätter athmeten einen Geiſt, der die in der Schule Rouſ⸗ ſeau's und Voltaire's gebildete Frau anwiderte. Sie liebte die Freiheit nicht, welche ſich eines ſo ſchlechten Styles be⸗ diente. Die menſchliche Sprache war, ihrer Meinung nach,

nie ſo ausgeartet geweſen; das Heulen der wilden Thiere könnte durch ſolche Worte überſetzt werden, äußerte ſie.

Das Jahresfeſt des 14. Juli ſollte begangen werden. Frau von Stasl, als Geſandtin einer fremden Macht, war dabei auf ihrem Platze in der Nähe der Königin, von wo ſie genau beobachten konnte, welchen traurigen Eindruck dieſe Feierlichkeit auf die beklagenswerthe Fürſtin hervor⸗ brachte. In Thränen ſchwimmend, ſaß Marie Antoinette da, und ſah ihrem Gatten zu, wie er, in ſeiner gepuderten

Perrücke, die einzige unter all den ſchwarzen Köpfen, und

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